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Schnelles Internet in Jungingen?

Von vielen Städten und Gemeinden liest man derzeit viel über den sogenannten Breitbandausbau. Schnelles Internet, verfügbar gemacht über eine „breite“ Leitung bis tief in die ländlichen Regionen hinein. Dieses Ziel soll unter anderem erreicht werden durch attraktive Bundes- und Landesförderprogramme. Aus der Gemeinde Jungingen war diesbezüglich bislang wenig zu hören – woran liegt‘s?
Für viele ist die Telekom, früher Deutsche Post, immer noch der Telefonanbieter schlechthin und letztlich ja auch hierzulande zuständig für die Telefonleitungen. Andererseits gibt es seit der Privatisierung ein Gesetz, welches die Telekom dazu verpflichtet, ihr Netz auch anderen Anbietern zugänglich zu machen. So können private Haushalte ihren Telefon- und Internetanschluss auch von anderen Anbietern wie 1und1, Otello, Vodafone oder weiteren beziehen, über das Kabel, welches „eigentlich“ der Telekom gehört. Parallel zu den Telefonkabeln (zweiadrige Kupferkabel), gibt es in vielen Städten und Gemeinden auch ein TV-Kabelnetz – umgangssprachlich „Kabelanschluss“ - ein Netz, das bereits Anfang der 80er Jahre in ganz Deutschland aufgebaut wurde und aus sogenannten Koax-Kabeln besteht. Über dieses Netz konnte man über viele Jahre hinweg ausschließlich Fernsehprogramme in guter Qualität und in großer Auswahl beziehen. Doch bereits seit Jahren lässt sich über das TV-Kabel auch ein Internetanschluss buchen mit einem entscheidenden Vorteil: die wesentlich höheren Übertragungs-Geschwindigkeiten. So stehen sich heute Telefon-Kabel und Koax-Kabel-Netz Betreiber als direkte Konkurrenten gegenüber. Wer also heute einen Telefon- und einen Kabelanschluss zu Hause hat, kann nicht nur zwischen mehreren Anbietern wählen, sondern zumindest über das TV-Kabel auch bereits sehr schnelles Internet mit Datenraten von bis zu 1 Gbit/Sek. senden bzw. empfangen. Dies ist beispielsweise in der Gemeinde Jungingen der Fall. Mit einem Deckungsgrad von mehr als 90% haben nahezu alle Haushalte einen TV-Kabelanschluss - wenigstens auf dem Grundstück, in den meisten Fällen sogar im Haus. Aus diesem Grund ist in Jungingen „eigentlich“ kein dringender Handlungsbedarf gegeben. Nahezu jeder Haushalt, der möchte, kann heute schon schnelles Internet bekommen!
In den Städten schon lange, auf dem Land ist es gerade erst in der Entstehung: zusätzlich zu Telefon- und TV-Kabelnetz kommt künftig eine weitere Kabel-Technologie hinzu: das Glasfasernetz, bestehend aus Glasfaserkabeln. Diese bieten gegenüber den bisherigen Netzen ein Vielfaches an Übertragungsgeschwindigkeit. Auch hier gibt es eine ganze Reihe von Anbietern, die Glasfasernetze ausbauen: beispielsweise die Telekom, Vodafone oder eben bei uns im Zollernalbkreis die Komm.Pakt.Net - eine Kommunalanstalt des öffentlichen Rechts, die ein eigenes Glasfasernetz aufbaut. Der Landkreis als Mit-Initiator hat sich beim Ausbau des Netzes für eine Variante entschieden, wonach jede Gemeinde selbst darüber entscheidet, ob sie ausbaut, wann und was sie ausbaut. Auch sind die Kosten für den Glasfaserausbau von der Gemeinde selbst zu tragen. Im Gegenzug erhält die teilnehmende Gemeinde jedoch Pacht für die Leitungen auf der eigenen Gemarkung.
Wenn man allerdings, wie in der Gemeinde Jungingen, bereits einen Großteil der Haushalte mit TV-Kabel und damit schnellem Internet versorgt hat, ist es durchaus fraglich, ob sich große Investitionen in ein Glasfasernetz überhaupt lohnen? Denn die Kosten für den Ausbau belaufen sich trotz Förderprogramme auf mehrere hunderttausend Euro. Aus diesem Grund haben sich der Gemeinderat und die Verwaltung bislang nachvollziehbar gegen eine Beteiligung am Glasfasernetz der Komm.Pakt.Net ausgesprochen.
Wenn man allerdings bedenkt, welche Angebote es heute schon im Internet gibt, kann man bei gleichbleibendem Wachstum davon ausgehen, dass die bisherigen Bandbreiten der „alten“ Technologien irgendwann nicht mehr ausreichen werden. Doch auch an dieser Stelle ist Jungingen gut versorgt, denn sowohl Telekom, als auch Vodafone haben die Gemeinde bereits mit Glasfaserkabel angebunden - zumindest, an einigen Verteilerknoten. Deshalb ist auch die Mobilfunkversorgung bereits in Vorbereitung für 5G – mit 4G schon lange.
Und doch hat der Gemeinderat auf der heutigen Gemeinderatssitzung den möglichen Beitritt zu Komm.Pakt.Net. Bürgermeister Oliver Simmendinger, selbst IT-Fachmann, erklärt: jeder Telekommunikations-Anbieter darf heute schon die vorhandenen Netze der Telekom für seine Zwecke „benutzen“. Doch das gilt auch andersherum: die Telekom darf auch die Netze anderer Anbieter „benutzen“. Dies führt dazu, dass sich die Telekom beispielsweise bei der Erschließung von neuen Wohn- oder Gewerbegebieten häufig nicht mehr an der Verkabelung beteiligt. Das Unternehmen setzt wohl darauf, dass „andere“ ein Netz aufbauen und man sich später die vorhandene Leitung zu Nutze macht. Wir als Gemeinde müssen uns deshalb mit der berechtigten Frage beschäftigen, was passiert, wenn in
den künftigen Neubaugebieten keine Telefonkabel und keine TV-Kabel mehr verlegt werden. Und davon ist auszugehen, wie man bereits heute schon aus vielen Städten und Gemeinden hört. Dabei ist die verfügbare Internetgeschwindigkeit bei Gewerbe und Privaten heute das zweite Auswahlkriterium für oder gegen einen Bauplatz! Deshalb müssen wir genau hinschauen“.
Auch gegenüber dem Landkreis und den umliegenden Gemeinden ist es womöglich unfair. Denn für einen Ringschluss der sogenannten Backbone-Leitung wäre es erforderlich, dass auch Jungingen beim Glasfasernetz mitmacht. Man kann sich dies ähnlich vorstellen wie bei einer Wasserversorgungsleitung: erhält man Wasser von zwei Seiten, d. h. als ein „Abzweig“ aus einem geschlossenen Ring, ist die Unterbrechung auf der einen Seite des Rings kein Problem, weil man von der anderen Seite her versorgt wird. Ähnlich ist es auch mit dem Glasfaser-Backbone. Der Lückenschluss des Rings zwischen Schlatt und Killer wäre nun mal Jungingen – und das würde nicht zuletzt allen Gemeinden die am Backbone hängen enorm helfen. Jede Wartung oder Erweiterung würden ansonsten das gesamte Netz in die Knie zwingen.
Der erste Schritt, die Bewerbung um den Beitritt zu Komm.Pakt.Net, soll heute Abend vom Gemeinderat beschlossen werden. Angesichts der Tatsache, dass die damit verbundenen Kosten vom Landkreis getragen werden, kann hier mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einer positiven Entscheidung ausgegangen werden. Der nächste Schritt, so der Rathauschef, wäre dann eine neue Backbone-Planung, wo vorhandene Leerrohre und künftige Wohn-/Gewerbegebiete Berücksichtigung finden. Auf dieser Basis könnte der Gemeinderat dann entscheiden, ob die Planung generell umgesetzt werden soll. Falls ja, möglicherweise schon im nächsten Jahr?
Als Gründe dafür, warum sich die Verwaltung und der Gemeinderat dem Thema erneut stellen müssen, nennt Bürgermeister Simmendinger: langfristige Sicherstellung der Versorgung, auch in neuen Wohn- und Gewerbegebieten; Erhöhung des Anbieter-Wettbewerbs - Kunden können sich dann zusätzlich auch für einen lokalen oder weitere Anbieter entscheiden; Pachteinnahmen für die Gemeinde zur möglichen Kostendeckung; solidarisches Verhalten gegenüber den anderen Zollernalbkreis-Gemeinden;
Man darf also feststellen: Für die Gemeinde Jungingen ist bei weitem der Zug für schnelles Internet nicht abgefahren, sondern sogar eher schon längst angekommen - insbesondere Dank des flächendeckenden TV-Kabelnetzes. Um jedoch den Anschluss in der Zukunft nicht zu verlieren, müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Man darf deshalb auf die Entwicklung der nächsten Monate gespannt sein.

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